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Dieser Beitrag führt unsere Serie zu Cradle 2 Cradle (Einfach intelligent produzieren) weiter.

Der 2. Schritt hin zum intelligenten Produkt ist die Öko-Effektivität. Im 1. Schritt haben wir gezeigt, dass das Sparen von schädlichen Stoffen allein nicht in die richtige Richtung führt. Statt dessen wird die Öko-Effektivität vorgeschlagen.

Das vorgestellte Buch in der englischen Version zeigt, wie ein öko-effektives Produkt aussehen sollte. Statt aus Papier ist es aus Polymeren, die ohne Qualitätseinbußen beliebig oft wiederverwendet werden können, die Farbe kann abgewaschen und auch als Farbe wiederverwendet werden.

Durch das ganze Buch zieht sich das Bild des Kirschbaums, der nicht an Blüten spart, sondern im Gegenteil sehr verschwenderisch damit umgeht. Die Blütenblätter werden zur Nahrung für die nächste Generation und alles andere, das in der Nähe wächst.

Wie kann man also die Idee des Kirschbaums, Überfluss zu erzeugen, der als Nahrung dient, weiter verfolgen?

Ein Gebäude nach der alten Denkweise sieht so aus:

  • Es ist luftdicht (spart Heizung und Klima-Energie).
  • Es hat dunkel gefärbtes Glas (spart Klima-Energie).

Das öko-effektive Gebäude sieht so aus:

  • Tagsüber strömt Licht herein (spart künstliche Beleuchtung).
  • Nachts wird das Gebäude mit Luft von draußen gekühlt (spart an der Klimaanlage - man merkt den Standort der Autoren im warmen Kalifornien).
  • Auf dem Dach wachsen heimische Gräser und schützen die Oberfläche vor Korrosion und Wärme, sammeln Regenwasser.

Gerne glaubt man den Autoren, dass die Mitarbeiter in diesem Gebäude gerne zur Arbeit gehen! Dabei hat das Gebäude 10% mehr gekostet als ein konventionell geplantes Fabrikgebäude. Die Unternehmer wurden durch Produktivitätszuwächse ihrer Mitarbeiter belohnt. Die Fluktuation hat stark abgenommen. Beides macht die Mehrkosten für den Bau wieder wett.

Radikales Umdenken

Wenn man mit öko-effektivem Denken anfängt, so die Autoren,

"sind nicht die Lösungen an sich radikal, sondern der Perspektivenwechsel".

Beispiel Waldwirtschaft

Über eine öko-effektive Art, Wald zu bewirtschaften, berichtet das Buch:

Menominee-Indianer in Wisconsin handeln mit Holz aus ihren Wäldern. Statt Kahlschlag zu betreiben, wie in Amerika üblich, fällen sie oft nur die schwächeren Bäume und lassen die starken Mutterbäume sowie genug vom Laubdach stehen, so dass Eichhörnchen und andere Baumbewohner dort weiterhin leben können.

Mit Erfolg: die Holzmenge im Reservat ist in den letzten Jahren sogar gestiegen!

Neue Designaufgaben

Das Kapitel über Öko-Effektivität endet mit neuen Designaufgaben:

  • Gebäude bauen wie Bäume, die mehr Energie produzieren als sie verbrauchen und ihr eigenes Abwasser reinigen.
  • Fabriken gestalten, die Abwässer in Trinkwasserqualität freisetzen.
  • Produkte erfinden, die nach dem Ende ihrer nützlichen Verwendung nicht nutzloser Abfall werden, sondern einfach am Boden verrotten oder als hochwertige Rohstoffe wieder in den industriellen Kreislauf eingehen können.
  • Transportmittel schaffen, die die Lebensqualität erhöhen, während sie Güter und Dienstleisungen liefern.
  • Eine Welt des Überflusses und nicht der Begrenzugen, der Verschmutzung und des Abfalls schaffen.

Bisherige Artikel in der Serie auf unserer Seite Serien.

1 Kommentar

Cradle 2 Cradle: 1. Schritt: weniger Gift / Müll / Umweltverschmutzung löst das Problem nicht.

In diesem Artikel geht unsere Serie über Cradle 2 Cradle, die moderne Produktionsweise weiter, bei der das Ziel ist, Produkte zu entwickeln, die sich restlos mit gleicher Qualität wiederverwenden oder recyceln lassen.

Im Abschnitt weniger schlecht ist nicht gut geht es darum, dass die aktuelle Herangehensweise, die Giftstoffe zu verringern, stärkere Filter einzubauen und Deponien zu verbieten, nicht genügt, weil weiterhin Gifte produziert und konsumiert werden.

"Doch eine Verminderung in irgendeinem dieser Bereiche beendet weder die Erschöpfung der Rohstoffquellen noch die Zerstörung der Uwelt - sie sorgt lediglich dafür, dass diese Prozesse verlangsamt und hinausgezögert werden."

Das einzige was weiter vermindert werden soll, ist der Energieverbrauch. Hier ist Energiesparen nicht verboten!

Dabei weisen die Autoren auch darauf hin, dass das Ende eines Produkts genauso geplant werden muss, wie die Nutzung. Wenn Gifte in den Kompostkreislauf gelangen, ist der Kompost hinterher vergiftet. Wenn Kupfer in Stahlschmelze gerät, ist der Stahl weniger hart usw. Dieses nennen die Autoren downcycling, d.h. das Endprodukt des Recycling-Schritts ist weniger wertvoll, als die ursprünglichen Stoffe.

Beispiel für die Anwendung der Cradle 2 Cradle Philosphie

Im Buch gibt ein wirklich aussagekräftiges Beispiel, dass die Autoren im Rahmen ihrer Beratertätigkeit erlebt haben.
Eine Möbelfabrik hatte das Problem, dass die Abfälle der Produktion Sondermüll waren (die Stoffreste vom Stoff auf denen wir sitzen!). Mit Hilfe der Beratung wurde die ganze Produktion auf giftlose Naturprodukte (insbesondere die Farben) umgestellt.
Das Ergebnis war, dass kein Sondermüll mehr anfiel, dass die Räume, in denen früher Gift gelagert wurde, für andere Sachen zur Verfügung standen, und dass sogar die Prüfer vom Amt ihren Augen nicht trauen wollten, als ihre Messungen ergeben haben, dass das Wasser, was aus der Fabrik abläuft, sauberer ist, als das Wasser was reinkommt!

Dort wollen wir hin! In den folgenden Teilen der Serie werde ich von den Schritten schreiben, die im Buch als Anleitung zur Produktion von der Wiege zur Wiege (Cradle 2 Cradle) gegeben werden.

Bisherige Artikel in der Serie auf unserer Seite Serien.

Im letzten Jahr habe ich dieses Buch über intelligente, umweltfreundliche Produktion eines deutschen Chemikers und eines amerikanischen Architekten gelesen. Es hat mir die Augen geöffnet bezüglich der Art und Weise, wie wir mit unserer Umwelt umgehen und wie man es besser machen kann.

Michael Braungart
William McDonough
Einfach intelligent produzieren
Cradle 2 cradle: die Natur zeigt, wie wir die Dinge besser machen können
BvT Berliner Taschenbuchverlag
ISBN: 978-3442761838

Die Idee der Autoren ist kurz gefasst: alle Ware wird so hergestellt, dass sie ohne größeren Aufwand wiederverwertbar ist: die Kernforderung ist dabei, technische Stoffe (Plastik, Metall, ...) nicht mit organischen Stoffen zu vermischen, weil das Verbundmaterial nie wieder sauber trennbar ist.

Die Autoren proklamieren auch, dass "Sparen" nicht der beste Weg zu einer sauberern Umwel ist, weil die Natur auch nicht spart, sondern im Gegenteil sehr verschwenderisch mit den Resourcen umgeht. Sie wählen als wiederkehrendes Beispiel den Kirschbaum, der tausende Blüten erzeugt. Im Unterschied zur menschlichen Verschwendung, dienen die herabfallenden Blütenblätter dem Baum und anderen Pflanden vor Ort direkt wieder als Nahrung.

Die Autoren zeigen in vielen Beispielen, wieviel Erfolg sie mit ihrem neuen Ansatz bei Produktionsbetrieben rund um die Welt hatten.

Das Buch selbst zeigt in seiner amerikanischen Ausgabe wie es geht, es ist auf Plastik gedruckt, von dem die Farbe widerstandslos entfernt werden kann. Sowohl das Plastik der Seiten als auch die Farbe des Drucks können direkt wiederverwendet werden, um neue Bücher zu drucken. Die deutsche Ausgabe ist auf herkömmlichem Papier gedruckt, hat aber den Vorteil, dass der deutsche Autor etwas zu unseren lokalen Gegebenheiten sagt.

Ich möchte das Buch in einer Serie mehrerer Blogartikeln im Laufe der nächsten Wochen vorstellen.

  • Grund unserer Umweltprobleme: Rückblick auf die industrielle Revolution
  • 1. Schritt: Weniger schlecht ist nicht gut - Gift sparen nützt wenig
  • 2. Schritt: Öko-Effektivität - mit der Umwelt im Hinterkopf bessere Produkte entwickeln
  • 3. Schritt: Von der Wiege bis zur Bahre - Vollständig wiederverwertbare Produkte schaffen
  • 4. Schritt: Lokale Umsetzung mit Beispielen
  • Cradle 2 Cradle im Netz

Seit ich das Buch gelesen habe, freue ich mich nicht mehr über jedes Recyclingprojekt. Wenn z.B. Plastikreste mit organischen Bestandteilen vermischt werden, dann ist das nicht ein weiteres Mal wiederverwendbar. Die Autoren sagen dazu: Downcycling, d.h. der Stoff verliert an Wert, weil man aus dem Stoff nur noch "schlechtere" Produkte machen kann. Das klassische Beispiel ist die Parkbank aus Plastikmüll. Gut das Plastik ist nicht verbrannt worden (grandiose Verschwendung laut den Autoren) und liegt auch nicht auf der Kippe, aber aus hochwertigem Plastik ist ein Mischplastik gemacht worden, dass nur noch für Parkbänke taugt (niemand würde daraus Spielzeug, Wasserflaschen oder Computermäuse machen wollen).

Bisherige Artikel in der Serie auf unserer Seite Serien.