Bauen

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Zunächst einmal: Was ist ein hydraulischer Abgleich? Das Wort Hydraulik setzt sich zusammen aus dem griechischen Wort hydrauliké oder altgriechisch „das Wasser“ und aulós „das Rohr“ und ist die Lehre vom Strömungsverhalten der Flüssigkeiten. In der Technik wird darunter die Verwendung von Flüssigkeit zur Signal-, Kraft- und Energieübertragung verstanden.

Dieser Begriff wird heute im Bereich der Warmwasserheizungsanlagen verwendet, gilt aber auch für Kühlsysteme und Trinkwasserverteilung. Hier soll der Begriff im Zusammenhang mit der Warmwasserheizung erläutert werden.

Der hydraulische Abgleich beschreibt ein Verfahren, mit dem innerhalb einer Heizungsanlage jeder Heizkörper oder Heizkreis einer Flächenheizung (Heizkörper oder Fußbodenheizung) bei einer festgelegten Vorlauftemperatur der Heizungsanlage genau mit der Wärmemenge versorgt wird, die benötigt wird, um die für die einzelnen Räume gewünschte Raumtemperatur zu erreichen. Dies wird mit genauer Planung, Überprüfung und Einstellung bei der Inbetriebnahme der Anlage erreicht. Auch ein nachträglicher hydraulischer Abgleich ist möglich, wenn die dafür erforderlichen Armaturen im Rohrnetz vorhanden sind (z.B. voreinstellbare Thermostatventile).

Ist eine Anlage abgeglichen, ergeben sich mehrere Vorteile: Die Anlage kann mit einem optimalen Anlagendruck und damit mit einer optimal niedrigen Volumenmenge betrieben werden. Daraus resultieren niedrige Anschaffungskosten der Umwälzpumpe und niedrige Energie- und Betriebskosten während des Betriebes.

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Hier einige Anzeichen für fehlenden hydraulischen Abgleich:

  • Heizkörperventile geben Geräusche ab, da der Differenzdruck im Ventil zu groß ist.
  • Heizkörperventile und Rohrleitungen geben Geräusche ab, da die Strömungsgeschwindigkeit zu groß ist.
  • Heizkörper werden nicht warm, da andere Anlagenteile überversorgt sind ("Hydraulischer Kurzschluss")
  • Heizkörperventile öffnen und schließen nicht zur gewünschten Innentemperatur, ebenfalls wegen zu hoher Differenzdrücke im Ventil.
  • Regelverhalten von Thermostatköpfen ist schlecht durch starkes "Überschwingen".
  • Die Heizungsanlage wird mit zu hohen Temperaturen betrieben, um die Unterversorgung auf diesem Wege auszugleichen.
  • Es werden Pumpen mit zu hoher Leistung eingesetzt, die sowohl in der Anschaffung als auch im Betrieb zu hohe Kosten verursachen.
  • Der Wirkungsgrad des Wärmeerzeugers verschlechtert sich, da die Anlage mit zu hohen Temperaturen und stark schwankenden Volumenströmen betrieben wird.
  • Die Vor-/Rücklauftemperaturen sind unnötig hoch. Insbesondere bei Einsatz moderner Brennwerttechnik oder bei Wärmepumpen und Anlagen mit solarer Heizungsunterstützung verschlechtert sich der Nutzungsgrad.

Aus dem nicht optimalen Betriebsverhalten resultiert ein erheblicher Mehrverbrauch an Strom- und Heizungsenergie. Die EnEV (Energieeinsparverordnung) in Deutschland schreibt aus diesem Grund den hydraulischen Abgleich für zu erstellende oder zu sanierende Anlagen vor.

Warum ist der Holzhausentwurf für das energetische Konzept so wichtig?

Warum habe ich in der letzten Veröffentlichung ausgerechnet das Beispiel von der besseren Außenwanddämmung erwähnt, die eventuell aus Kostengründen gestrichen wird, weil alles Geld in die Wohnfläche fließt?

Sehr oft höre ich auf Baumessen die Frage "Und wie viel kostet dieses Haus? Und wie viel Wohnfläche hat das Haus?". Diese zwei Fragen gehören irgendwie zusammen, weil man glaubt, darüber ein Gefühl für das Preis-Leistungs-Verhältnis zu bekommen, und seit der Energiediskussion kommt ganz oft die Frage "Und wie gut ist das gedämmt?" noch hinterher geschossen.

Wenn wir also über das Energiesparen beim Holzhausentwurf reden, fangen wir doch einfach bei der Wohnfläche an. Denn diese Frage können viele Bauinteressierte sehr schnell beantworten, weil sie es mit der bisherigen Wohnsituation vergleichen. Doch eine Mietwohnung mit 120m² Wohnfläche kann durch ihren schlechten Zuschnitt (großer Flur, falsche Raumanordnung) nicht mit einem neu geplanten Haus 1:1 verglichen werden. Denn ein pfiffiges Grundrisskonzept kann auf gleicher Wohnfläche deutlich mehr Wohnqualität schaffen. Aber nur auf die Hausgröße zu achten, muss nicht immer von Vorteil sein!

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Deshalb sollte die gewünschte Wohnfläche in den Planungsgesprächen mit dem Architekten oder dem Baubetreuer gemeinsam überprüft werden. Anfangen kann man hier mit einem Raumprogramm, das alle gewünschten Räume auflistet und mit Funktionen hinterlegt. Wird z.B. ein Wohnbereich gleichzeitig zum Teil als Homeoffice genutzt, ist an dieser Stelle besonders auf die Raumgröße und –gestaltung zu achten.

Manchmal ist auch zu hinterfragen, wie oft denn das gewünschte Gästezimmer genutzt wird und ob man verschiedene Funktionen alternativ in "Allzweckräumen" unterbringen kann.
Soweit zu den Räumen, die gewünscht werden.

Ein weiteres Maß gibt das zur Verfügung stehende Grundstück vor. Ist das Baufenster 9x12 groß und soll ausgeschöpft werden, kann eine Wohnfläche von ca. 87m² entstehen, wenn die Außenwanddicke mit 0,30m angenommen wird. Da die Dämmung der Außenhülle eine der wichtigsten Faktoren für das Energiesparen ist, kann man die Außenwanddicke auch mit 0,45m annehmen, um einen sehr guten Wärmedämmwert zu erreichen. Das lässt unsere Wohnfläche aber auf ca. 81m² schrumpfen, und wir haben einen möglichen Abstellraum von ca. 6m² "weggeplant" – und das nur im Erdgeschoss, denn das Dachgeschoss schrumpft ja parallel mit! Diese Betrachtung schließt wieder den Kreis zur Eingangsfrage: Die Wohnfläche wird durch mehrere Faktoren beeinflusst (u. a. Kosten, Außenwanddicke, Baufenster). Bereits an dieser Stelle des Hausentwurfes lege ich grundsätzliche Maßstäbe für mögliches Energiesparen im/am Haus fest.

Und über die "dritte Dimension der Wohnfläche" schreibe ich im nächsten Beitrag,
Ihre Tanja Dasbeck

Unser Podcast Bau-FAQ geht weiter (mehr dazu auf der Seite Serien). Podcasts sind Ton-Aufnahmen von Interviews (Podcast, FAQ bei Wikipedia), die Sie auf dieser Seite abspielen oder sich herunterladen können. Die heutigen Beiträge beschäftigen sich mit den Fragen:

  • Woraus besteht eine Außenwand im Holzbau?
  • Wie verhält es sich mit dem Einsatz von Grobspanplatten (OSB)?
  • Was baut man außen bei einem dampfdiffusionsoffenen Holzbau?
  • Kann ich bei einem Holzrahmenbau außen und innen mit anderen Materialien arbeiten?
  • Gibt es noch die Auflagen, dass in Baugebieten nicht in Holzbauweise gebaut werden darf?
  • Wird das Holz wie früher chemisch behandelt?
  • Welche Dämmung passt zum Holzrahmenbau und hat sie einen guten Dämmwert?
  • Was ist mit dem Brandschutz?

Die Podcasts:

Zum direkten Abspielen einfach auf das Play-Symbol (Dreieck nach rechts) klicken.

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Außenwand im Holzbau
[audio:http://www.energiespar-rechner.de/wp-content/uploads/2008/06/aussenwand-holzbau.mp3|autostart=no]

Dämmung im Holzbau
[audio:http://www.energiespar-rechner.de/wp-content/uploads/2008/06/daemmung-holzbau.mp3|autostart=no]

Wenn Sie Fragen zum Bauen haben oder Sie ein bestimmtes Thema interessiert, schreiben Sie sie in den Kommentaren auf oder senden uns eine E-Mail. Wir versuchen, Ihre häufigsten Fragen zu beantworten oder dazu ein Podcast auf den Seiten des Energiespar-Rechners zu veröffentlichen.